Pressemitteilung / 31.05.2008
 
 

Ein Konzert zum Frühling


Pressemitteilung an die MZ Weißenfels:
Ein Jahr mussten die Freunde der Barockmusik warten, um wieder ein Konzert in Teuchern erleben zu dürfen, aber am vergangenen Samstag war es dann endlich soweit. Der "Förderverein Reinhard-Keiser-Gedenkstätte" lud in die evangelische Kirche St. Georg ein, um dem jährlich stattfindenden Konzert mit der Capella Orlandi einen würdevollen Rahmen zu verleihen. Über 40 Gäste waren gekommen, um sich von herrlichen Melodien bezaubern zu lassen.

Das Konzert stand unter dem Titel "Liebste Blumen, Florens Pracht" und so trugen die Künstler mit ihren Weisen den Frühling in die Teucherner Kirche.

Melanie Hirsch (Sopran) sang ihre Arien in Begleitung von Thomas Ihlenfeldt (Chitarrone), Jochen Grüner und Elfriede Stahmer (Violine), Bernhard Prokein (Viola), James Bush (Violoncello), Hariett Herrle (Oboe), Dorothee Kunst (Traversflöte, Blockflöte) und Mark Nordstrand (Cembalo). Die "Capella Orlandi", die die letzten Jahre die Keiser-Konzerte in Teuchern bestritt, gab Musik von Reinhard Keiser, Georg Friedrich Telemann, Alessandro Marcello, Diogenio Bigaglia, Johann Paul Kuntzen und Antonio Vivaldi in gewohnter Brillanz zu Gehör.

Den Auftakt bildete das Konzert d-Moll für Oboe, Streicher und Chitarrone von Alessandro Marcello, in dem sich Heriett Herrle auf ihrer Oboe in die Herzen der Zuhörer spielte.

In der sich anschließenden Arie "Liebste Blumen, Florens Pracht" aus der Oper "Der verführte Claudius" von Reinhard Keiser sang Melanie Hirsch, wie es sich für den Frühling gehört, natürlich von der Liebe. In dieser Oper nimmt Keiser ein zentrales Thema des 18. Jahrhunderts auf, die Frage nach individuellen Gefühlen und ihre Bedeutung für Ehe, Familie und Gesellschaft. Messalina und Calpurnia wagen es, sich in einen Mann zu verlieben, der ihnen nicht bestimmt ist.

In der Suite für zwei Violinen und Chitarrone aus Scherzi Melodichi von Georg Philipp Telemann beeindruckten die Violinen in den teils sehr temporeichen Teilen durch ihr Können. In der Kantate für Sopran und Chitarrone "Usignoletto bello" von Diogenio Bigaglia machte Melanie Hirsch den Zuhörern klar, dass man im Frühling auch unglücklich sein kann.

Auch in den drei Arien von Johann Paul Kuntzen aus der Oper "Cadmus": "Ihr schönen Augen", "Ich kann es nicht leugnen" und "Kann denn mein Herze widerstehen" ging es um Liebe. Kuntzen verarbeitete mit dieser Oper, wie es Keiser auch gerne tat, ein mythologisches Thema. Gerade mit dem Lied "Ich kann es nicht leugnen, ich habe dich lieb" begleitet von drei Violinen, sang Melanie Hirsch so innig, dass alle Zuhörer spürten, wie schön es ist verliebt zu sein.

Auch die Musikstücke Quartett e-Moll mit Traversflöte von Georg Philipp Telemann und "La Tempesta di Mare" von Antonio Vivaldi ließen das Publikum nicht aus ihren Bann. Bei Vivaldi spürte man den Sturm auf dem Meer aufkommen, dann wieder etwas abflauen, um sich dann wieder zu erheben und die Wellen nach oben zu peitschen.

Den Abschluss des Konzertes bildete die Arie "Komm angenehme Stunde" aus der Oper "Der Tempel des Janus" von Reinhard Keiser. Julia, die Tochter des Kaisers Augustus, ist in Tiberius verliebt und wartet auf "ihre Stunde", in der sie ihren Geliebten bekommt. Melanie Hirsch verstand es sehr gut die Sehnsucht sehr zart, aber auch den Willen ihn zu bekommen, sehr energisch stimmlich auszudrücken.

Da das Publikum nicht aufhörte zu applaudieren, war eine Zugabe fällig. Melanie Hirsch sang ein sehr lustiges Lied über einen Tee, der bei fast allen Wehwehchen helfen kann und auch den Frühling, die frische Jugend zurückbringt.

Gabriele Gießler