MZ Hohenmölsen / 23.10.2007
 
Liebhaber von Barockmusik kommen auf ihre Kosten

Ein Konzert faszinierte in der Teucherner Kirche:


Teuchern/MZ/rk.   Liebhaber der Barockmusik, kamen kürzlich in der evangelischen Kirche St. Georg voll auf ihre Kosten. Der Förderverein Reinhard-Keiser-Gedenkstätte hatte wieder zu seinem jährlich stattfindenden Keiser-Konzert eingeladen und viele waren gekommen.

Das Konzert stand unter dem Titel "Männer auf verlorenem Posten" und so kamen diesmal nicht die strahlenden Helden zu Wort, sondern die Verlierer.

Raimonds Spogis (Bariton) sang seine Arien in Begleitung von Thomas Ihlenfeldt (Laute) , Dagmar Valentova (Violine), Hariett Herrle (Oboe) und James Bush (Violoncello). Die "Capella Orlandi", die zum wiederholten Mal in Teuchern gastierte, gab Musik von Reinhard Keiser, Georg Philipp Telemann, Georg Friedrich Händel und Johann Paul Kuntzen in gewohnter Brillanz zum Besten.

Von Kuntzen sind bisher nur drei Arien wieder entdeckt worden, eine davon brachte das Ensemble aus Bremen zu Gehör. Aus der Oper "Cadmus" (1725) ließ Raimonds Spogis die arie "Ihr schönen Augen" erklingen, in der er als Bachus mit einschmeichelnden Tönen versucht, das Herz der Nymphe Autonoé zu erobern. Die Geschichte der Königin Almira inspirierte Keiser sowie auch Händel zu einer Oper.

Von Keiser wurde aus der Oper "Almira" die Arie des Raymondo "Zweier Augen Majestät" vorgetragen und von Händel aus gleichnamiger Oper eine Suite und die Arie "Gönne nach den Tränengüssen".

Den Abschluss bildete die Kantate von Reinhard Keiser "Die rasende Eifersucht", die den so genannten "Vorkämpfer" so sehr plagte, dass er nur im eigenen Untergang Erlösung von diesen Qualen finden konnte.

Raimonds Spogis und die "Capella Orlandi" verstanden es perfekt, die Leiden und Sehnsüchte der Nichthelden darzustellen und gefühlvoll den Zuhörern rüberzubringen. Das Publikum war so sehr begeistert, dass es eine Zugabe forderte und bekam.

Wie sollte es anders sein, auch in der Zugabe kam ein Verlierer zu Wort.
Aus Reinhard Keisers Oper "Arsinoe" (1710) erklang die Arie des Königs Demetrius, der angereist war, um die Königstochter zu heiraten, sich in die Königsmutter verliebte und in Ketten im Kerker landete.

Nun die Helden in dem dargebotenen Programm hatten nicht sehr viel Glück, dafür aber die Zuhörer, deren Sonntagabend durch ein wundervolles Konzert gekrönt wurde.

Gabriele Gießler, Teuchern