MZ Weißenfels / 11. 07. 2006

 
- Reinhard Keiser -

Ein Hauch Hamburger Oper bereichert Teuchern

Von MZ-Redakteurin Yvette Meinhardt


Capella Orlandi Bremen verzaubert das Publikum
- Beindruckendes Konzert zur Reinhard-Keiser-Ehrung - Oper in Berlin


Teuchern/MZ.
Das hatte die alte Kirche von Teuchern wohl noch nicht erlebt. Bravo- Rufe schallten nach dem hinreißenden Auftritt der finnischen Sopranistin Eeva Tenkanen durch das Schiff, Bravo - Rufe und brausender Beifall.

Der Reinhard-Keiser-Förderverein lud am Sonntag zum zweiten Konzert in diesem Jahr ein. Höhepunkt waren Reinhard Keisers Ouvertüre G-Dur und seine Kantate "Ich spiele mit Ketten" der seinerzeit populärsten Oper "Fredegunda ". In den hochdramatischen Rezitativen und Arien lief Eeva Tenkanen mit ihrer kräftigen Stimme zur Höchstform auf. Sie mimte die böse Zauberin Fredegunda, die Geliebte des Königs Chilperich, die, von ihm verstoßen überall ihr Gift versprüht und sämtliche Furien der Unterwelt beschwört. Und ein Hauch jener großen Opernwelt erfasste am Sonntag das kleine Teuchern.
Capella Orlandi begeisterte einmal mehr ihr Publikum. "Seit etwa zehn Jahren habe ich mich ausschließlich der Musik von Reinhard Keiser verschrieben", sagt Thomas Ihlen-
feldt. Der ausgewiesene Keiser-Kenner ist nicht nur musikalischer Kopf jener Capella Orlandi, sondern lässt die Chitarrone zauberhaft erklingen. Beim barocken Spiel scheint er die Zeit um sich herum zu vergessen. Doch gerade der berühmteste Sohn der Stadt Teuchern ist es wert, der Vergessenheit entrissen zu werden. "Keiser war ohne Frage der berühmteste deutsche Komponist von Barockopern, selbst ein Händel spielte einst unter Keiser im Orchester an der Hamburger Gänsemarktoper und hat nachweislich so manche Partitur von Keiser übernommen", urteilt Ihlenfeldt heute.

Nichtsdestotrotz war jenes Konzert am Sonntag Georg Friedrich Händel gewidmet. Sozusagen ein Zwischenspiel für die Capella Orlandi, denn im September und Oktober stehen in Berlin wieder zwei Keiser-Opern auf dem Programm. Der Klangkörper aus Bremen musizierte gewohnt stilsicher, mit großer Spielfreude und Virtuosität. In der Sonate für Oboe, Streicher und Basso Continuo von Gottfried Finger überzeugte Hariett Herrle /Barockoboe) durch klangschönen Ton und makellose Intonation. Im Oboenkon-
zert g-Moll von Händel brillierte die Solistin absolut souverän in den schnellen Sätzen und ausdruckstark im langsamen Satz.

Als vierter Komponist standen Kantaten von Johann David Heinichen (geboren 1683 in Krössuln) auf dem Programm. Alle vier Komponisten sind sich begegnet, haben mitein-
ander kooperiert und von einander gelernt. So waren Heinichen und Keiser an der Leip-
ziger Thomasschule und arbeiteten am "Carneval von Venedig". Ein stimmungsvoller Hörgenuss, der nur einen Makel hatte: es fehlte ein großes Publikum.