MZ Weißenfels / 06.01.2004
 
Kulturpflege

Keiser - ein vergessenes Genie
Förderverein erinnert an großen Teucherner Komponisten

VON Anka Stolper-Heinike
Teuchern/MZ.
   
Die Töne am Klavier klingen kraftvoll aber
trotzdem melodisch. Bertram Adler versinkt
in ihnen und vergisst einen Moment lang,
dass er am Flügel zu Hause und nicht in
einem Konzertsaal sitzt. Klassische Musik
ist die Leidenschaft des 35-jährigen Hohen-
mölseners, der am Händel-Konservatorium
Halle Klavier und Musiktheorie lehrt. Die be-
sondere Liebe jedoch gilt dem Werk von
Reinhard Keiser.

Klassische Musik ist die Leidenschaft des Hohenmölseners
Bertram Adler. Die besondere Liebe gilt dem Werk des
Teucherner Komponisten Reinhard Keiser.
(MZ-Foto: Peter Lisker)

Der von 1674 bis 1739 lebende Künstler aus Teuchern war einer der größten Komponis-
ten seiner Zeit. Seinem Werk und seinem Andenken widmet sich der Förderkreis
"Reinhard-Keiser-Gedenkstätte Teuchern", dessen Vorsitzender Bertram Adler
seit 1993 ist. 38 Mitglieder zählt der Verein, in dessen Reihen namhafte Persönlichkeiten zu finden sind. Da ist zum Beispiel Edwin Werner, Direktor des Händel-Hauses Halle und Chef des Landesmusikrates Sachsen-Anhalt. Auch der stellvertretende Händelhaus-Di-
rektor Gert Richter und die hallesche Musikwissenschaftlerin Dr. Karin Zauft haben sich dem Andenken Keisers verschrieben. "Leider haben wir keine Kinder und kaum Jugend-
liche in unseren Reihen", bedauert Bertram Adler. Die Gymnasiastin Anja Kristin Müller, Schülerin einer 13. Klasse aus Halle, betreut seit zweieinhalb Jahren die Internet-Seiten des Förderkreises.

"Dieser Auftritt bringt uns eine enorme Resonanz vor allem aus dem Ausland", betont Bertram Adler. Ein Blick in den Computer bestätigt dies. Seit dem ersten Internet-Auftritt des Fördervereins haben über 5 400 Besucher die Seiten gelesen, darunter Musikinte-
ressierte aus Belgien, Holland, Schweden, den USA, der Schweiz und Brasilien. Da gibt es Anfragen zu Presseveröffentlichungen, Literatur oder auch Konzert-Terminen.
Davon gab es 2003 insgesamt vier, allesamt in Teuchern. Keisers Werke erklangen im Ratssaal oder in der evangelischen Kirche Sankt Georg. "Die hat eine besonders schöne Akustik", lobt Bertram Adler. Bedauerlich findet es der 35-Jährige, dass der kleine Ba-
rocksaal des Bonauer Wasserschlosses für Kammerkonzerte nicht mehr zur Verfügung steht, obwohl das Ambiente dort hervorragend sei.

Zu den Keiser-Konzerten komme immer ein bestimmtes Klientel, meist um die 60 Zuhö-
rer von außerhalb. Die Einwohner von Teuchern kommen leider noch viel zu wenig zu den Konzerten, so Adler. Dabei könnten die Kleinstädter auf ihren berühmten Sohn be-
sonders stolz sein.
Reinhard Keiser, dessen Werk in den letzten 200 Jahren in Vergessenheit geriet, war sogar Vorbild für solche Musikgrößen wie Händel oder Telemann. Immer mehr seiner Werke werden wieder gespielt. So wurde die Oper "Claudius" 300 Jahre nach ihrer Entstehung im September 2003 im Hansa-Theater Berlin-Moabit wieder uraufgeführt. Und an der Hamburgischen Staatsoper spielt man in diesem Jahr "Der lächerliche Prinz Jodelet".

"Mich fasziniert die Vielzahl der Instrumentalkombinationen in Keisers Werken. Seine ausdrucksstarken Rezitative und melodischen Arien sind einzigartig", schwärmt Adler. Dann allerdings wird er nachdenklich. Hat der rührige Verein doch ein besonderes Pro-
blem. Seit 1982 gibt es im Geburtshaus des Komponisten am Marktplatz von Teuchern eine Gedenkstätte. Viele Musik-Interessierte waren hier schon zu Gast, zuletzt im De-
zember eine 15-köpfige Gruppe der Johann-Adolf-Hasse-Gesellschaft aus München.
Seit dem Wegfall einer städtischen ABM-Kraft ist eine regelmäßige Öffnung der Gedenk-
stätte nicht mehr möglich. Während der Mitgliederversammlung des Förderkreises am 24. Januar will man nun eine Lösung finden.