MZ Weißenfels / 14. 10. 2003

 
Mitteldeutsche Reinhard-Keiser-Tage

Großem Klangerlebnis folgt die Zugabe
Abschlusskonzert am Sonntag gut besucht- Viel Beifall für ausdrucksstarke
Darbietungen im Gotteshaus

Von GABRIELE GIESSLER


Teuchern/MZ.    In der sehr gut besetzten Kirche St. Georg in Teuchern fand am Sonntag um 18 Uhr das Abschlusskonzert der 3. Mitteldeutschen Reinhard-Keiser-Tage statt. Das Ensemble Capella Orlandi aus Bremen, unter Leitung von Thomas Ihlenfeldt, gastierte zuvor in Sachsen und Thüringen, bis die Konzerttour nach Teuchern, der Geburtsstadt Keisers, führte.

Das seit 1990 bestehende Ensemble hat sich die Wiederentdeckung der nordeuropäisch-hanseatischen Musik zur Aufgabe gemacht, wobei die Kompositionen der Hamburger Oper, an der Keiser jahrelang tätig war, einen wichtigen Schwerpunkt bilden. Bertram Adler, Vorsitzender des Fördervereins Reinhard-Keiser-Gedenkstätte, konnte Mitglieder des Ensembles aus Bremen zum wiederholten Mal begrüßen.
Die Kantate "Benche sempre crudel" wurde zweimal dargeboten, einmal für Sopran und einmal für Bass. Die Arie "Armes Herz, lass ab zu hoffen", die von Raimonds Spogis empfindsam voller Hoffnungslosigkeit gesungen wurde, stand im Gegensatz zu den beiden Ouvertürensuiten, die mit tänzerischen Teilen angefüllt waren und fast schon zum Mitwippen anregten. Die "Sonata à 3" bot durch die zwei Blockflöten, gespielt von Dorothee Müller und Hariett Herrle, ein besonders stimmungsvolles Klangerlebnis in der widerhallenden Kirche. Die beiden Arien "Nun endlich hofft mein Herze" für Sopran aus "Orpheus" und "Schönste Fessel, sanfte Bande", das Duetto für Sopran und Bass aus "Achilles", drückten pure Zuversicht und wahres Glück aus, was nicht nur durch die schwungvollen Melodien, sondern auch durch die jubelnden Stimmen beider Sänger hervorragend ausgedrückt wurde.

Das Konzert begann mit der Kantate "Auf zur Lust, auf zum Scherz!" für Sopran, Bass und Instrumente aus "Kayserliche Friedens-Post", die die Freude der Menschen über "den glücklichen Stillstand der Waffen" bewusst machte.

Der anhaltende Beifall der Zuhörer machte eine Zugabe unumgänglich. Das Ensemble brachte aus "Pomona" ("Streit der vier Jahreszeiten") den Streit zwischen Herbst und Sommer zu Gehör. Beide würdigten die jeweilige Schönheit ihrer Jahreszeit, brachten aber auch die ewige "Kontroverse" zwischen Mann und Frau zum Ausdruck. Das gestandene Ensemble überzeugte wieder einmal durch Ausdrucksstärke, Brillanz und Hingabe für die Werke des großen Sohnes Teucherns, Reinhard Keiser.

ENSEMBLE AUS BREMEN
Capella Orlandi aus Bremen zu Gast

Unter dem Motto "Auf zur Lust, auf zum Scherz!" brachte das Ensemble Capella Orlandi aus Bremen acht Kantaten, Ouvertürensuiten, Sonaten und Arien aus Opern von Reinhard Keiser in der Kirche St. Georg in Teuchern zur Aufführung.

Es musizierten Eeva Tenkanen (Sopran), Raimonds Spogis (Bass), Dagmar Valentovà (Violine), Dorothee Müller (Traversflöte, Blockflöte), Hariett Herrle (Oboe, Blockflöte), Inka Döring (Violoncello), Mark Nordstrand (Cembalo) und Thomas Ihlenfeldt (Leitung, Chitarrone).