MZ / Juli 1995

  Kultur
Keiser hält bald in London Einzug
Zwei Engländer besuchten Gedenkstätte und Schlossmuseum


Von unserem Mitarbeiter
Uwe Böhme

 

Teuchern / MZ.
Auf den Teucherner Komponisten Reinhard Keiser (1674-1739) ist man auch in der englischen Metropole London aufmerksam geworden. Julie Anne und Stanley Sadie, die in ihrer Stadt ein Händelmuseum einrichten wollen, waren bei ihrem derzeitigen Deutschland-Aufenthalt auf Händels Lehrer - eben auf Keiser gestoßen. Kurzerhand machten die beiden am Sonnabend einen Abstecher in die Gedenkstätte (und besuchten auch Schloss Neu-Augustusburg in Weißenfels).

Die britischen Gäste zeigten sich beeindruckt, mit welcher Akribie das Lebenswerk des Komponisten der frühen deutschen Oper und Sohnes der Stadt durch den hiesigen Förderkreis gehütet und gepflegt wird. Die Schautafeln von Keisers Lebensstationen in Teuchern, Leipzig, Braunschweig, Hamburg, Stuttgart und Kopenhagen interessierten beim Rundgang ebenso wie Briefe Keisers, (von 1695 stammt der älteste). Eine ebenso große Beachtung fanden die Kircheneintragungen und die ausgestellten Fotos von den ersten Keiser-Ehrungen in Teuchern.

Natürlich interessierten sich Julie Anne und Stanley auch für Keisers Zeitgenossen, für Händel und Bach, aber ebenfalls für Fasch, Heinichen und Schieferdecker. Dr Walter Luchsinger hatte allerhand Fragen - u.a. zum Förderkreis "Reinhard-Keiser-Gedenkstätte Teuchern" selbst - zu beantworten. Dabei stellte sich heraus, dass den Händelkennern aus London das Bremer Barockorchester "Fiori musicali" gut bekannt war, ein Ensemble, das im Juni in der Teucherner Kirche St. Georg im Rahmen des vierten Musikfestes Sachsen-Anhalts ein begeisterndes Konzert gegeben hatte. Und als beide in der Gedenkstätte das Plakateiner Berliner Aufführung der Keiseroper "Masaniello furioso" erblickten, erzählten sie, dass es erst 1994 in Großbritannien eine englische Vorstellung des Werkes gegeben hatte.

Die Gäste von der Insel waren beeindruckt und konnten sich einen umfassenden Überblick über das Schaffen von Reinhard Keiser und manchem seiner Zeitgenossen verschaffen. Außerdem unternahmen sie einen Kurzbesuch zum Bonauer Wasserschlösschen. Beide schrieben sich in das Gästebuch der Teucherner Gedenkstätte ein und wünschten dem hiesigen Förderkreis alles Gute bei der weiteren Pflege von Keisers Lebenswerk.

Eines versprachen sie auf alle Fälle: Im Londoner Händelmuseum wird auch Händels Lehrer, der Teucherner Komponist Reinhard Keiser, einen wichtigen Platz einnehmen.