MZ / 22.04.1995

  Heimatpflege
Der Streiter für Keiser in Teuchern
Walter Luchsinger hält die Gedenkstätte mittwochs offen


Von unserer Redakteurin
Karin Grossmann

Walter Luchsinger widmet sich seit Jahren dem Erbe des Teucherner Komponisten Reinhard Keiser
MZ-Fotos: Peter Lisker   
  Teuchern / MZ.
Es ist eine neue Oper angekommen. Das Hallesche Kammerorchester unter Peter Freiheit hatte sie aufgenommen und zur Verfügung gestellt. Denn über Technik, um die Musik hörbar zu machen, verfügt die Reinhard-Keiser-Gedenkstätte mittlerweile ausreichend. Walter Luchsiger wartet wie jeden Mittwoch von 10 - 12 Uhr in jenem einen Raum im Geburtshaus Reinhard Keisers auf Publikum. Es passiert schon, dass niemand kommt. Doch großartig Reklame mag er für die Gedenkstätte gar nicht machen.

Was übriggeblieben ist, nennt er Rumpelkammer. Weil in dem kleinen Zimmer einfach zuviel drin ist. Zwar seien alle Tafeln, Bilder, die Textbücher zu Keisers Opern sehenswert; doch ein Gang müsse ja wenigstens frei bleiben, um Besuchern das Durchkommen zu gewährleisten.


Er ist ein unbequemer Streiter für das Gedenken an Teucherns Sohn Reinhard Keiser. Das wissen besonders jene, denen er in regelmäßigen Abständen auf den Nähten kniet, damit Keiser im wahrsten Sinne des Wortes mehr Raum bekommt. Bisher hätten sich alle Möglichkeiten zerschlagen oder wären zugunsten anderer Einrichtungen entschieden worden. Doch der 88jährige Luchsinger gibt nicht auf, auch wenn ihn mancher für einen verbitterten Streiter um Raum für Keiser hält. Würde er nicht jeden Mittwoch in der Reinhard-Keiser-Gedenkstätte ausharren, dann könnte das, was einige wenige Teucherner freiwillig vor 22 Jahren begannen aufzubauen, in Vergessenheit geraten. Vielleicht aber findet der Komponist ja Eingang in die heimat- oder musikgeschichtliche Arbeit an hiesigen Schulen und es finden sich junge Leute, die sein Erbe pflegen. Die schaffen es dann möglicherweise auch, die Raumfrage für eine würdigere Gedenkstätte zu klären.