Freiheit Hohenmölsen / Februar 1985
 

Aus der Heimatgeschichte


Sein Einfluss ist sichtbar
Keiser-Dokumente im neugestalteten Händelhaus zu sehen
Auszug
1985

Wenn wir unseren Lesern unlängst bereits ausführlich einige Zsammenhänge ins Gedächtnis rufen konnten, die sich aus der diesjährigen Bach - Händel - Schütz - Ehrung und dem Wirken des aus Teuchern im Kreis Hohenmölsen stammenden Komponisten Reinhard Keiser (1674-1739) ergeben, dient eine Information aus dem am 20. Februar 1985 neugestaltet eröffneten Händelhaus in Halle der Ergänzung.
In Händels Geburtshaus berichtet jetzt ein spezieller Museumsraum vom Wirken des vor 300 Jahren in Halle geborenen Meisters über sein Wirken in Hamburg. Bei der wissenschaftlichen Vorarbeit für die Gestaltung der Exposition, die insbesondere durch den Musikwissenschaftler Prof. Dr. Bernd Baselt von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg gefördert wurde, konnten auch bisher weniger bekannte Hinweise berücksichtigt werden, dass Händel ziemlich direkt durch Vermittlung Reinhard Keisers nach Hamburg an die dort seit 1703 von Keiser geleitete "Gänsemarktoper" kam. Es war nicht nur der Ruf Keisers als versierter Opernkomponist, sondern auch sein persönlicher Einfluss, der Händel nach Hamburg führte. Dazu finden sich im Memorial-Museum Händelhaus in der Bezirkstadt in der neugestalteten Exposition auch zeitgenössische Dokumente.

Der Interessent wird jetzt im Händelhaus auch Sachzeugnisse zu Reinhard Keisers Opern-
schaffen finden. So besitzt das Museum ein Textbuch -1707 in Hamburg erschienen - des musikalischen Bühnenwerkes "Störtebeker und Jödge Michaels - in einem Singspiel auf dem Hamburgischen Schauplatz", das in der neuen Exposition einen Platz fand. Gleichzeitig kann man unter den Sachzeugnissen zu Händels Wirken in Hamburg nachgestaltete zeitgenös-
sische Opernprospekte zu Werken Reinhard Keisers sehen, die wesentlichen Aufschluss über die Bedeutung des Komponisten aus Teuchern geben. Besonders die Behandlung des Opernstoffes "Almira" nahezu gleichzeitig durch Händel und Keiser wird im neugestalteten Händelmuseum gezeigt, worüber wir in unserer Artikelserie im Januar/Februar an dieser Stelle berichten konnten. Händels Begegnung bzw. Zusammenarbeit mit Keiser, besonders auch dessen Bemühungen um eine volkstümliche Oper, wie sie sich im "Störtebeker"-Stoff wider-
spiegeln, war wesentlich für den Entwicklungsweg Georg Friedrich Händels zu einem der bedeutendsten Komponisten des Zeitalters der Aufklärung.
Die wissenschaftliche Konferenz im Rahmen der 34. Händelfestspiele in Halle ging namentlich auf die Stellung Händels als Repräsentant der Frühaufklärung ein, für die er Grundlagen auch in der Zusammenarbeit mit Reinhard Keiser in Hamburg fand, mag diese Harmonie auch nicht stets ungetrübt gewesen sein.

Das neugestaltete Händelhaus in Halle versteht sich auch als Regionalmuseum für Musik-
geschichte, wozu auch die wissenschaftliche Kooperation mit der Martin-Luther-Universität beiträgt. Es wird also nicht fehlen, dass die Wirksamkeit des Arbeitskreises "Reinhard Keiser".... in Teuchern und die dortige Gedenkstätte für den Komponisten aus Teuchern von der neuen Profilierung des Memorial-Museums Händelhaus profitieren werden.
W.B.