Freiheit Hohenmölsen / 10.09.83
 

Aus der Heimatgeschichte


Neue Forschungsergebnisse jetzt mit berücksichtigt

1983

Im Dezember 1982 wurde der erste Teil einer Gedenkstätte im Geburtshaus Reinhard Keisers, des bedeutendsten Komponisten der ersten deutschen stehenden Volksoper, in Teuchern mit einer kurzen Darstellung seiner wichtigsten Lebensabschnitte eröffnet. Da bisher noch keine neue umfassende Biographie des Komponisten herausgekommen ist, die vor allem die neueren Forschungsergebnisse berücksichtigt, die zum Teil zu einem sehr unterschiedlichen Bild gegenüber den früheren Biographien Keisers geführt haben, soll in den folgenden Artikeln von Dr. Luchsinger aus Teuchern auf einige wesentliche neuere Erkenntnisse über sein Leben hingewiesen werden.


Reinhard Keiser wurde am 12. Januar 1674 als erster Sohn des Organisten Gottfried Keiser und seiner Frau Agnes Dorothea, geb von Etzdorff, in Teuchern getauft. Das fand erstmalig der Teucherner Lehrer Friedrich Albert Voigt in den Kirchenbüchern und veröffentlichte es in der Vierteljahresschrift für Musikwissenschaft Bd. VI, 1890. Der erste Keiser-Biograph und langjährige Mitarbeiter Keisers in Hamburg, Mattheson, vermutete 1740 als Geburtsort Leipzig, Weißenfels oder einen Ort zwischen beiden Städten und als Geburtsjahr 1673. Herkunft, Geburts- und Sterbetag von Keisers Vater sind noch nicht bekannt. Er soll ein guter Komponist gewesen sein und sich auch in Lüneburg und Hamburg aufgehalten haben.

In Teuchern ist er 1670 bis 1675 Organist gewesen und hat sich am 11. August 1673 verheiratet. Keisers Mutter (1657 bis 1732) war eine Tochter des Junkers Caspar Julius von Etzdorff, dessen Herkunft aus Etzdorf bei Eisenberg (Thüringen) sehr wahrscheinlich, doch noch nicht endgültig gesichert ist, der 1671 eines der 22 Kapitalhäuser erwarb, das auf seine Frau und dann auf die Töchter Anna Elisabeth von Etzdorff und Agnes Dorothea Keiser überging, die es bis zu ihrem Tod bewohnte.
Die Kapitelsgemeinde in Teuchern ging auf fränkische Siedler zurück, die vom Domkapitel Naumburg in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts angesetzt wurden. Sie hatten einen eigenen Schulzen und eine eigene Gerichtsbarkeit, waren dem Domkapitel lehnspflichtig und wurden erst 1836 der Stadtgemeinde Teuchern eingegliedert.

Reinhard Keiser besuchte bis zum 11. Lebensjahr die Schule in Teuchern und hatte als Lehrer Johann Crusius und den Rektor Christian Schiefferdecker - Vater des 1679 geborenen Komponisten Johann Christian Schiefferdecker - welcher Nachfolger und Schwiegersohn des bekannten Organisten Dietrich Buxtehude in Lübeck wurde.

Am 13. Juli 1685 wurde Reinhard Keiser in der Thomasschule Leipzig aufgenommen, im gleichen Jahr, als Georg Friedrich Händel und Johann Sebastian Bach geboren wurden. In einer Kirchenbucheintragung der Taufe von Andreas Priese am 14. September 1689 wird als Taufpate "Herr Reinhard Keiser auf St. Thomas-Schule zu Leipzig Alumnus" genannt.
Seine Lehrer waren vor allem der Thomaskantor Johann Schelle, dessen berühmtester Schüler er wurde, und der Thomasorganist Johann Kuhnau. Die Universität Leipzig hat Reinhard Keiser, wie sein erster Biograph Johann Mattheson behauptete, nicht besucht. Die Vorbereitung und den Baubeginn der ersten Leipziger Oper wird Keiser miterlebt haben, doch erst 1693 wurde sie eröffnet, nachdem er Leipzig schon verlassen hatte.
Fortsetzung folgt