Freiheit Hohenmölsen / 06.06.1981

 
Ein musisches Erlebnis
Barockmusik zum Reinhard-Keiser-Abend


Teuchern 1981

Die 3. Reinhard-Keiser-Ehrung, um es gleich vorweg zu nehmen, war wieder ein Erlebnis, wie wir es leider viel zu selten in unserem Kreis haben. Peter Freiheit, Gesang und genauso virtuos am Flügel wie als kenntnisreicher Sprecher, stellte gemeinsam mit der Mezzo-Sopranistin Angelika Emmrich Reinhard Keisers Oper "Octavia" musikalisch vor. Wie sie das taten, wie sie es verstanden, die Zuhörer dem Handlungsablauf des umfangreichen Werkes folgen zu lassen und die Schönheit Keiserscher Musik erleben ließen, lohnte das Publikum mit lang anhaltenden Beifall. Es war, das soll auch nicht verschwiegen werden, ein musikalisches Experiment. Ein Werk der Barockzeit mit einem "modernen" Instrument konzertant darzubieten, ist künstlerisches und kulturpolitisches Neuland. Der Abend hat mich überzeugt, dass es sich lohnt, dieses Neuland zu betreten. Mein Eindruck war auch, dass dadurch die Musik vertrauter, zeitlich näher rückte. So konnte ich auch dem musikalisch-dramatischen Handlungsablauf, ohne von meinen heutigen Hörgewohnheiten abzugehen, folgen. Daraus lassen sich durchaus aufführungspraktische Konsequenzen ableiten, die vor allem jüngeren Menschen den Zugang zu diesem Teil unseres Kulturerbes erleichtern, ohne dass von der künstlerischen und mudikalischen Substanz Abstriche gemacht werden müssten.

Nun ist die "Octavia" eine Oper die im Original aufgeführt, vier bis fünf Stunden dauern würde. Peter Freiheit hat es ausgezeichnet verstanden, zu straffen und textlich zu erläutern. So ging der Faden der Handlung nie verloren und auch Keisers musikalische Größe war erkennbar. Sehr großen Anteil daran hatte Angelika Emmrich, die an diesem Abend künstlerische Schwerarbeit zu leisten hatte. Sie sang Rezitative, und Arien mehrerer handelnder Personen in einer ausgezeichneten Qualität. Ihr Können ließ die Schönheit Keiserscher Rezitative erleben und den melodischen Glanz der Arien genießen.

Die einleitenden Worte Karl Ernst Bergunders stimmten die Zuhörer auf Reinhard Keiser, seine Zeit und sein Werk gut ein.

Es war also wieder eine gelungene Reinhard-Keiser-Ehrung. Und Zustimmung fanden die Worte des Vorsitzenden des Arbeitskreises "Reinhard Keiser": "...wünschen wir uns weiterhin eine gute Zusammenarbeit mit dem Künstlerkollektiv, um beitragen zu können, Reinhard Keiser den Platz zu geben, den er mit seinem Werk verdient."

Rudi Fabian