Freiheit Hohenmölsen / 17.07.1979

 
Reinhard Keiser - Neue Beiträge zur Biographie.
Arbeitskreis des Kulturbundes der DDR über die Lebensbilder des Komponisten


(Fortsetzung)
1979


1929 veröffentlichte der dänische Musikwissenschaftler Torben Krogh Briefe von Reinhard Keiser, in der Zeit von 1707 -10 geschrieben und aus Hamburg und Jersbeck datiert, die im Reichsarchiv Kopenhagen gefunden wurden. Mit ihnen ist nachgewiesen, dass Keiser in dieser Zeit überwiegend bei Freunden in der Nähe von Hamburg wohnte, sich aber immer wieder in der Stadt aufhielt und die Verhältnisse an der Oper, von der er sich zeitweise zurückgezogen hatte, genau verfolgte.
Von nun an wurden die Biographien von Mattheson und Chrysander kritisch betrachtet.

Grundlegend für die Geschichte der Hamburger Oper und auch für die Biographie über Keiser ist weiter die Arbeit von Walter Schulze "Die Quellen der Hamburger Oper (1678-1738)", aus der eindeutig hervorgeht, dass Keiser 1718 Hamburg wegen des erneuten wirtschaftlichen Zusammenbruchs der Oper verließ und nicht "weil seine Schaffenskraft angesichts der von Händel weiterentwickelten Oper plötzlich nachgelassen hat", wie von Chrysander und Voigt behauptet wurde.

Als weitere Arbeit, die mit dem falschen Keiserbild von Chrysander aufräumt, ist der Bericht über Reinhard Keiser von Heinz Becker in dem Werk "Musik in Geschichte und der Gegenwart (1958)" zu nennen. Dass die Reinhard-Keiser-Forschung auch heute noch nicht abgeschlossen ist, beweisen zahlreiche interessante spezielle Arbeiten über sein Leben und Schaffen, von denen nur einige erwähnt seien, die uns eine Bestätigung auch unserer Arbeit in Teuchern sind. In "Die Barockoper in Hamburg (1957)" und den Beiträgen zur 330-Jahr-Feier der Hamburger Oper (1978) geht H. CH. Wolff besonders auf das musikalische Schaffen Keisers ein.

Richard Petzold schrieb über die "Kirchenkompositionen und weltlichen Kantaten Reinhard Keisers" (1935) und bearbeitete neu einige Kantaten zu Keisers 300-Jahr-Feier.
Klaus Zelm veröffentlichte 1975 eine umfangreiche Arbeit über "Die Opern Reinhard Keisers" in der er auch kritisch alle biographischen Angaben über Keiser erwähnt, bearbeitete die Keiseroper "Tomyris" neu und schrieb 1977 über "Die Sänger der Hamburger Gänsemarktoper"

In Willi Maertens Bericht über "Telemann und seine Interpreten" (1973) werden die beiden Musikerfamilien Reinhard Keiser und Johann Kayser, die beide an der Oper in Hamburg arbeiteten, behandelt, die oft sehr zuungunsten Reinhard Keisers bisher fast ständig verwechselt wurden

Andreas Glöckner fertigte im Bacharchiv Leipzig die Arbeit "Johann Sebastian Bachs Kopie und Aufführung zeitgenössischer Passionsmusiken" (1973) an. Hierin wird klargestellt, welche Bedeutung Bach den Werken Reinhard Keisers beimaß und welche Anregungen sie ihm gaben. Auf der wissenschaftlichen Konferenz zu den Händelfestspielen 1978 berichtete Bernd Baselt über "Händel auf dem Wege nach Italien". Im Gegensatz zu Chrysanders Darstellung wird darin bewiesen, dass das Lehrer-Schülerverhältnis von Keiser zu Händel das denkbar beste gewesen ist und Händel zeitlebens eine freundliche Erinnerung bewahrte.

Es ist zu hoffen, dass die weitere Forschung noch manche offene Fragen über Leben, Wirken und Werke Reinhard Keisers beantworten wird. Es steht aus, eine umfassende Biographie von berufenen Fachleuten geschrieben und daneben eine kleine Broschüre über Reinhard Keiser zur allgemeinen Wiederbekanntmachung eines bedeutenden Komponisten, der neben Händel, Bach und Telemann in gleicher Weise Beachtung verdient. Darüber hinaus ist es notwendig, für die ständige Verfügbarkeit seiner Werke zu sorgen.