Freiheit Hohenmölsen / 06.07..1979

 
Musik, die fast vergessen war, erfreute die Herzen
Ovationen für Keiser-Interpreten des Kammerorchesters des Landestheaters Halle


Teuchern (VK R. Fabian)
1979


Ein Ergebnis, das lange nachwirken wird, hatten die 200 Besucher des ersten Reinhard-Keiser-Konzertes am Sonntag, dem 1. Juli, in Teuchern. Sie waren erwartungsvoll gekommen. Ein Konzert mit Musik der Barockzeit war noch nie in Teuchern erklungen. Nun fand es statt und mit Musik, die lange Zeit vergessen war.
In einer Einführung (Andreas Glöckner, Halle) wurde ein kurzer Überblick über Reinhard Keisers Leben und Werk gegeben und versucht, zu erklären, wie es in der Vergangenheit zu Fehleinschätzungen und zum Vergessen der Musik Keisers gekommen war, obwohl Keiser von seinen Zeitgenossen als das "größte Genie der Tonkunst, das Deutschland hervorgebracht habe" bezeichnet wurde.
Eröffnet wurde das Konzert mit der Ouvertüre zur Oper "Croesus" (1730). Sie machte bereits deutlich, welche musikalischen Kostbarkeiten die Zuhörer erwarteten.

Die Trio-Sonaten für Querflöte, Violine und Basso continuo in D-Dur und G-Dur zeigten, mit welcher Klarheit und melodischem Einfallsreichtum Reinhard Keiser komponiert hat. Virtuos die schnellen und gefühlsstark die langsamen Sätze. So auch im Konzert für Violine, Streicher und Basso continuo in D-Dur. Aus seinem Opernschaffen erklangen noch die Ouvertüre zur Oper "Octavia" (1705) und drei Arien.

"Geliebte Augen, wo zielt ihr hin?", eine breit angelegte Arie im Stil der sich heraus-
bildenden deutschen Barockoper. Sie ließ erkennen, wo Keiser Lehrer von Händel und Telemann war.

"Ich segel auf den Liebeswellen" überraschte durch die Begleitung der Singstimme. Die "Liebeswellen" der begleitenden Streicher erinnerte tatsächlich an Wellengemurmel und zeigte, wie Keiser mit sparsamen Mitteln, ohne Effekthascherei, instrumental einpräg-
same Klangbilder schuf. Sehr beeindruckend in seiner fast volksliedhaften Schlichtheit die Arie "Treugeliebte gute Nacht".

Die Wiederholung der "Croesus"-Ouvertüre beschloss das Programm. Wurden die einzelnen Darbietungen schon mit viel Beifall bedacht, so muss der Schlussbeifall als begeistert bezeichnet werden. Der schönste Lohn wohl auch für die jungen Künstler, die sich als wahre Keiser-Freunde erwiesen hatten und der sie veranlasste, eine Zugabe aus der 1978 neu bearbeiteten Oper "Tomyris" zu bringen

Lob und Dank dem gesamten Kollektiv der ausführenden Künstler. An dieser Stelle wäre es wohl nicht angebracht, eine solistische Leistung oder ein Stück besonders hervorzuheben, denn in diesem Beitrag geht es um einen Gesamteindruck und nicht um eine musikalische Rezension. Für den "Arbeitskreis Reinhard Keiser" war die Veranstaltung eine Bestätigung der bisherigen Arbeit und sie machte gleichzeitig Mut, auf diesem Wege weiter zu schreiten.