Freiheit Hohenmölsen / 30.06.1979

 
Reinhard Keiser - Neue Beiträge zur Biographie
Arbeitskreis des Kulturbundes der DDR über die Lebensbilder des Komponisten


1979 Die erste bekannte Reinhard-Keiser-Biographie wurde 1740 in "Grundlage einer Ehrenpforte" von Johann Mattheson veröffentlicht. Mattheson (1681-1764) hat mit Reinhard Keiser in Hamburg an der Gänsemarktoper über etwa 40 Jahre lang zusammen gelebt, gearbeitet und für die Oper gestritten.

Er fing im gleichen Jahr wie Keiser als Sänger in der Oper an, war dann Dirigent und Komponist, Hauslehrer, Sekretär beim englischen Gesandten, Legationsrat, Kantor am Hamburger Dom, veranstaltete zusammen mit Keiser 1700 und 1701 glanzvolle Winterkonzerte.

Die "Ehrenpforte" enthält Biographien bedeutender Musiker der damaligen Zeit. Er bat Keiser, Händel und Bach vergebens, ihm selbstverfasste Lebensläufe zur Verfügung zu stellen. So schrieb er selbst eine Biographie von Keiser, aber erst ein Jahr nach Keisers Tod. Wertvoll ist sie, weil sie geschrieben ist, von einem Zeitgenossen, Mitarbeiter und Freund. In bunter Folge mischen sich darin Episoden aus Keisers Leben mit der Beurteilung seiner Musik. In dieser Biographie überwiegt die positive Einschätzung Reinhard Keisers, wie sie auch sein Nachruf rühmend zum Ausdruck bringt.

Eine weitere Biographie von Keiser schrieb 1882 Friedrich Chrysander, dem dazu im wesentlichen Matthesons "Ehrenpforte" zur Verfügung stand. Chrysander (1826-1901) in Mecklenburg geboren, war zunächst Gärtner und Lehrer in Doberan, promovierte in Rostock mit einer Arbeit über das Oratorium und hat dann seine ganze Lebensarbeit der Händelforschung gewidmet. Bei der Beschäftigung mit Händel kommt man nicht an Reinhard Keiser, Händels Lehrer in Hamburg, vorbei. Da Georg Friedrich Händel nicht zu kurz kommen durfte, wurden alle Anekdoten und Andeutungen über Keiser in der Matthesonschen Biographie fast systematisch ins Negative für Keiser ausgelegt.

Eine weitere Keiser-Biographie wurde 1890 von Friedrich Albert Voigt veröffentlicht. Voigt war in der Zeit von etwa 1880 bis 1890in Teuchern Lehrer und hat das große Verdienst, mit dieser Arbeit Geburtsort, Taufe, Verwandtschaftsverhältnisse und Kindheit Reinhard Keisers erstmalig bekannt gemacht zu haben, worüber bis dahin nur Unklarheiten herrschten. Bei der Beschreibung von Keisers Schaffenszeit verlässt sich Voigt auf Chrysander und druckt dessen Biographie wortgetreu ab.

Voigts Befunde können wir heute durch einige neue ergänzen, die zwar nicht sehr bedeutend für Keisers Lebenslauf sind, aber für einige Schlussfolgerungen, die Voigt zog.
Als Wohnsitz für Reinhard Keisers Großvater mütterlicherseits, des Junkers Caspar Julius von Etzdorff, sind nicht nur Runthal und Gröben, sondern auch Deuben angegeben. Reinhard Keiser hatte einen Bruder Gottfried Gustavus, getauft am 10. September 1675. Bei der Taufeintragung wird als Pate Anna Elisabeth von Etzdorff ausdrücklich als Schwester der Wöchnerin genannt. Diese Eintragung ist die direkte Bestätigung, des von Voigt indirekt, umständlich und nicht unbedingt zwingend geführten Nachweises,dass Keisers Mutter Agnesa Dorothea geborene von Etzdorff war, deren Vorname weder in der Tauf- noch Heiratseintragung genannt wird.
(wird fortgesetzt)