Freiheit Hohenmölsen / 23.06.1979

 
Wertvolles Erbe wird lebendig und für die Zukunft erschlossen


Teuchern. (LB)
1979


Reinhard Keiser wurde 1674 als Sohn des Organisten Gottfried Keiser in Teuchern geboren. 1685 kam er als Alumnus an das Leipziger Thomas-Kantorat, wo er von Johann Schelle musikalisch ausgebildet wurde. Vermutlich 1692, aber spätestens 1694 ging er an den Hof von Braunschweig-Wolfenbüttel, wo er mehrere Jahre als "Cammer-Componist" wirkte, und in die Einfluss-Sphäre des Opernkomponisten Johann Siegismund Kusser geriet, der ihm für seinen weiteren Entwicklungsweg entscheidende Anregungen vermittelte. Bereits 1694 schuf Keiser seine ersten Opern für die Bühnen in Braunschweig und Hamburg.

Nach dem Weggang J. S. Kussers siedelte Keiser in die Hansestadt über, wo - abge-
sehen von einigen Unterbrechungen - er bis zu seinem Tode 1739 als Komponist und Kapellmeister an der "Gänsemarktoper" und später als Kantor des Domes wirkte. Wirtschaftliche Schwierigkeiten (der Bankrott des Opernunternehmens) zwangen ihn, 1717 Hamburg vorübergehend zu verlassen.

Auf der Suche nach einer neuen Existenzmöglichkeit weilte er kurzzeitig in Gotha, Eisenach, Stuttgart und Baden-Durlach, ohne dort jedoch eine Anstellung zu finden. 1721 kehrte er nach Hamburg zurück, wo Telemann an der neueröffneten Oper seine ehemalige Stelle bereits eingenommen hatte. Keiser arbeitete auch weiterhin für die Hamburger Oper und darüber hinaus 1722 für den Hof Friedrich IV. in Kopenhagen, wo er mehrere Opern zur Aufführung brachte.

Zu Lebzeiten wurde er als einer der hervorragendsten und populärsten Opernkomponisten gefeiert, dessen Produktivität im Opernschaffen weit die seiner Zeitgenossen übertraf. Auf seine einstige Bedeutung mag das Urteil Johann Matthesons, des Kronzeugens der Musikgeschichtsschreibung des frühen 18. Jahrhunderts hinweisen, der über Keiser schrieb: "An Genie scheint mir Keiser der vorzüglichste zu sein."

Nach seinem Tode geriet Keiser rasch in Vergessenheit und hat bis zum heutigen Tag seinen Platz, der ihm neben Bach, Händel und Telemann aus musikalischer Sicht gebührt, noch nicht wieder eingenommen. Von den wenigen Werken, die uns von Keiser überliefert werden, schlummert noch der größte Teil in Bibliotheken oder Archiven und harrt seiner Veröffentlichung.

A. Glöckner