MZ Hohenmölsen / 02.10.2001

  Landesliteraturtage Sachsen-Anhalt

Kammermusik und Preußische Lyrik
Reinhard Keiser und die Preußen-Gedichte von Eva Strittmatter


Von BERTRAM ADLER


Teuchern/MZ.    Der Förderkreis "Reinhard-Keiser-Gedenkstätte" lud am Sonnabendnachmittag anlässlich der Literaturtage Sachsen-Anhalt zu einem musikalisch-literarischen Programm in den Teucherner Rathaussaal ein. Es erklang Kammermusik von Reinhard Keiser und von Komponisten aus dem alten Preußen, aufgeführt vom Telemann-Ensemble Leipzig.

Zwischen den musikalischen Darbietungen las Reiner Gebauer Gedichte der in Schulzenhof bei Gransee lebenden Lyrikerin Eva Strittmatter. In einem Gedicht über den Gesang hieß es: "Wenn einer singt, so muss er singen gegen die Schwerkraft und den Tod", und die vier Instrumente "sangen" mit ihrer ganzen Seele.

Dem Telemann - Ensemble aus Leipzig gelang es, wie schon häufiger bei Auftritten in Teuchern, das Publikum mit brillanten Darbietungen in seinen Bann zu ziehen.

In der Triosonate C-Dur von Johann Joachim Quantz, Flötenlehrer Friedrich des Großen, waren alle vier Instrumentalisten vereint: Jutta Redder, Violine; Reiner Gebauer, Blockflöte; Doris Linde, Viola da gamba und Ulrike Wappler, Cembalo. Doris Linde überzeugte auch solistisch in der Sonate des aus Böhmen stammenden Franz Benda. Die sich anschließende Flötensonate in d-Moll von Friedrich dem Großen hat den Aufbau einer dramatischen Szene - ein Rezitativ als ersten Satz, eine Da-Capo-Arie als zweiten Satz sowie als Finale einen tänzerischen Kehraus. Reinhard Keiser als Opernkomponist ließ grüßen.

Der in Teuchern geborene Meister der frühen deutschen Oper kam dann auch als Kammermusikkomponist zu Gehör mit zwei Triosonaten. In diesem ursprünglich für Traversflöte geschriebenen Sonaten erreichte Reiner Gebauer eine schöne klangliche Differenzierung durch die Verwendung der Altblockflöte in den lyrischen, langsamen Sätzen sowie der Sopranblockflöte in den lebhaften, schnellen Sätzen. Auch Ulrike Wappler hatte die Gelegenheit zu brillieren durch ihren reich ausgezierten Vortrag von Carl Philipp Emanuel Bachs Sonate für Cembalo.

Zahlreiche Interessierte waren gekommen, um klassische Musik und preußische Lyrik miteinander verknüpft zu erleben.

MZ-Fotos:
Klaus Ulrich

Am Ende des knapp zweistündigen Programms war dann noch die Sonate F-Dur für Blockflöte, Violine und Basso Continuo des Schlesiers Johann Gottlieb Janitsch zu hören. Die vier Interpreten musizierten sehr gefühlsbetont und aus, bisweilen aber auch graziös verspielt und erhoben das Melodische zum tragenden Element ihres Spiels - ganz im Sinne der Frühklassiker. Ein ganz besonderer Dank gilt Reiner Gebauer für die hervorragende Gedichtauswahl von sehr bildhaften Naturbeschreibungen bis zu außerordentlich ernsten, zum Nachdenken über den Sinn des Lebens anregenden Gedichten. Die Zuhörer verabschiedeten das Telemann-Ensemble mit langem, herzlichen Beifall.