MZ Hohenmölsen / 26.06.2001

 
"Keiser und seine Freunde in Hamburg"
Wiedererstaufführungen von Werken aus dem 18. Jahrhundert

(ungekürzt)

Teuchern / 2001 Leider nur ca. 30 Zuhörer erlebten das diesjährige Konzert zur Reinhard-Keiser-Ehrung am Sonntag Nachmittag in der Teucherner Kirche. Zu Gast war das Hallesche Ensemble "cantare e sonare" in der Besetzung Dragan Karolic - Bass, Konstanze Beyer - Violine, Thomas Fritzsch - Viola da gamba und Mechthild Winter - Cembalo.
Das Ensemble spielte auf historischen Instrumenten. Das Programm stand unter dem Titel "Keiser und seine Freunde in Hamburg". Es erklangen Werke von vier Komponisten, die eine Zeit lang gemeinsam an der Hamburger Gänsemarktoper wirkten: Reinhard Keiser, Georg Philipp Telemann, Georg Friedrich Händel und Johann Mattheson.

Am Beginn des knapp eineinhalbstündigen Programms stand Telemanns Kantate "Die Hoffnung ist mein Leben", in der Dragan Karolic als Solist mit seiner lyrischen und sehr wandlungsfähigen Stimme überzeugen konnte.

Das Programm war sehr gut gebaut, gab es doch allen Instrumentalisten die Möglichkeit, auch einmal solistisch ihr Können unter Beweis zu stellen.
In der sich anschließenden Sonate e-Moll für Viola da gamba und B.C. des gleichen Komponisten begeisterte Thomas Fritzsch durch sein sehr gesangvolles und in den schnellen Sätzen sehr virtuoses Spiel.
Es schlossen sich drei Arien aus den Opern Reinhad Keisers ("Masaniello furioso", "Der lächerliche Prinz Jodelet" und "L´ingano fedele") an. Die Arie "Es spielt wahrlich schön" war zu Keisers Zeit äußerst populär, wurde sie doch allein durch Händel drei Mal in eigenen Opern "ausgeliehen".
Besonders mitreißend gelang Dragan Karolic die Furioso-Arie "Nel suo sangue" aus "Jodelet". Mechthild Winter brillierte mit einem gut artikulierten und reich ausgezierten Vortrag von Händels d-Moll-Suite für Cembalo.
Zu erstmaliger Wiederaufführung gelangte Reinhard Keisers Kantate "L´Ocaso di Titone all´Aurora Oriente" für Bass und B.C.
Eine wahre Entdeckung waren die Werke Matthesons, der bisher fast ausschließlich als Musikhistoriker und Musikschriftsteller bekannt war. In seiner Sonate G-Dur für Violine bewies Konstanze Beyer hohes technisches Können und große Vitalität in den Tanzsätzen. Aus der sehr selten aufgeführten Oper "Cleopatra" sang Dragan Karolic die außerordentlich furiose Arie "Ein Feind". Bei einer Aufführung dieser Oper kam es im Anschluss zu einem Degenduell zwischen Mattheson und Händel, weil Mattheson den letzten Akt seiner Oper selbst dirigieren wollte, Händel aber sich weigerte, seinen Platz am Cembalo zu räumen. Ein goldener Mantelknopf rettete Händel angeblich das Leben.

Zum Abschluss des Konzerts waren nochmals Arien der anderen beiden großen Opernkomponisten Telemann ("Küsse, wähle" aus "Der geduldige Sokrates") und Händel ("Mi dá speranza al core" aus "Almira") zu hören. Das Publikum spendete herzlichen und lang anhaltenden Beifall für ein sehr kurzweiliges Konzert mit vielen "Neuentdeckungen".

Bertram Adler