beendete Keiser auf Grund von derzeitigen, desolaten Zuständen am Opernhaus seine Ka-
pellmeisterzeit in Hamburg. 1718 verließ er Hamburg, um nach Thüringen zu reisen.
Möglicherweise bemühte er sich um eine Anstellung als Hofkapellmeister bei dem
derzeit regierenden Herzog Friedrich II. von Sachsen-Gotha-Altenburg.
Ähnlich war die Situation in Eisenach. Telemann hatte 1712 Eisenach verlassen.
Seitdem war die dortige Hofkapellmeisterstelle frei, aber wieder zerschlug sich die Möglichkeit einer
Anstellung für ihn. Die Stelle blieb frei, bis sie 1730 durch Johann Adam Birckenstock besetzt wurde.




Keiser trat dann die Reise nach Südwestdeutschland an, wo er sich in der Residenz des Herzogtums Württemberg-Stuttgart, wie anscheinend auch in der benachbarten Markgrafschaft Baden-Durlach um eine An-
stellung bemühte.
Während dieser Zeit bestanden vier württembergische Herzogtümer (Stuttgart, Neustadt, Weitlingen, Mömpelgard), von denen Württemberg-Stuttgart, derzeit regiert von Eberhard IV. Ludwig, der mächtigste und kulturell bedeutendste Staat war.
Die Stuttgarter Hofkapelle war ein leistungsfähiges und zahlenstarkes Ensemble. Keiser weilte mehrere Monate in Stuttgart mit der Hoffnung, dort Oberkapell-
meister zu werden. In Stuttgart entstanden seine drei handschriftlich über-
lieferten Triosonaten für Flöte, Violine und Basso continuo.
Eberhard IV. Ludwig


iner besonderen Aufarbeitung bedarf noch Keisers Instrumentalwerk. Es umfasst nach heutigem Kenntnisstand neben den Triosonaten, Bläseroktette, Ouvertürensuiten und Konzerte. Eine zeitliche Zuordnung kann meist nicht vorgenommen werden, doch scheint ein besonderer Schwerpunkt in der ersten Hamburger Phase und der Zwischenperiode zur zweiten Hamburger Phase zu liegen.



Spätestens Juli/August 1721 war Keiser wieder in Hamburg.
Das geistliche Sing-Gedicht "Die durch Großmuth und Glauben triumphierende Unschuld oder Der siegende David" wurde am
9. und 12.8 1721 auf dem Reventer des Domes zur Aufführung gebracht.
Wenige Wochen später traf er zusammen mit einer Hamburger Operntruppe, unter Leitung des mit ihm oft verwechselten Johann Kayser, in Kopenhagen ein.
Verursacht wurde diese erneute Abwendung von Hamburg wahrscheinlich durch die Anstellung Georg Philipp Telemanns
als Johanneumskantor und dessen erfolgreiches Eingreifen in das städtische Operngeschehen.

Der Dom zu Hamburg nach einem Kupferstich
von Peter Schenk 1700




Kopenhagen nach einem Kupferstich (um 1700)

Nun begann für Reinhard Keiser eine Zeit des Hin- und Herreisens zwischen Hamburg und Kopenhagen.
Sieben Opern wurden zwischen 1721 und 1723 in Kopenhagen uraufgeführt. Keiser bekam den Titel eines Königlichen Dänischen Kapellmeisters.


Nach der wohl durch Johann Kaysers sehr auf-
wändige Führung verursachte Auflösung des Opernunternehmens 1723 - Kayser brannte dann noch mit der letzten Gage für die Sänger durch - nahmen die Kontakte Keisers zum dänischen Hof spürbar ab.