m 13.07.1685 trug sich Keiser eigenhändig in die Matrikel der Leipziger Thomasschule ein:
"1685, 13.Juli Reinhard Keyser, von Teuchern aus Meißen, seines Alters 11 Jahr, verspricht auf dieser Schule zu bleiben 7 Jahr."
Die beiden musikalischen Schlüsselpersönlichkeiten wäh-
rend seiner Thomasschülerschaft waren Johann Schelle (1678-1701, Thomaskantor 1677-1701) und Johann Kuhnau (1660-1722, Thomasorganist 1684-1701).

Schelle wurde als Diskantist an der Dresdner Hofkapelle noch von Heinrich Schütz ausgebildet, studierte an der Leipziger Universität, war somit Schüler des Thomaskan-
tors, dann in Eilenburg als Kantor tätig, bis er zum Thomaskantor gewählt wurde. Er gilt somit kompositorisch als wichtiges Bindeglied zwischen Schütz und Bach.
Kuhnau war unmittelbarer Vorgänger Bachs als Thomas-
kantor.
Eigentliche Aufgabe der Thomaner war der tägliche Unterricht und der Dienst in den Kirchen, letzterer oft unter
Mitwirkung von Studenten, städtischer wie auswärtiger Musiker.
Die Thomaskirche und Thomasschule zu Leipzig
nach einem Kupferstich von Gottfried Krügner
(1684-1749)
Die Situation Leipzigs war geprägt durch das Messegeschehen. Es ist deshalb nicht verwunderlich, wenn Keiser noch 1710 für Hamburg eine Oper "Le bon vivant oder Die Leipziger Messe" komponierte.







er nächste Nachweis aus dem Leben Reinhard Keisers stammt aus dem Jahr 1694, und zwar
als "Cammer-Componist" als Nachfolger des nach Hamburg gegangenen Kusser in Braunschweig.
Zur Zeit von Keisers Wirksamkeit im Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel (1694-97) bestanden durch Landesteilungen mehrere braunschweigische Staaten: das Kurfürstentum Braunschweig-Hannover, sowie die Herzogtümer Braunschweig-Celle und eben Braunschweig-Wolfenbüttel.
Seit 1689 gab es hier ein neu erbautes großes Opernhaus. Zu Keisers Zeit wurden regelmäßig in Braunschweig und Hannover Opern gespielt - in Braunschweig seit 1691 in einem besonde-
ren Opernhaus mit 1200 Plätzen.
Es war eines der perfektesten Opernhäuser Norddeutschlands, dessen Repertoire Opern, Ballette, Komödien und Schäferspiele umfasste.
1694 wurden Keisers erste Opern "Procris und Cephalus" in Braunschweig und "Basilius" in Hamburg interpretiert.

Braunschweig, Opernhaus, Kupferstich von
J. G. Schmidt
Mit seinen Opernerstlingen erwies er sich bereits als sehr versiert, so dass man sich fragen muss,
wo er diese Perfektion erworben haben kann.




  Johann Mattheson schrieb über die Hamburger "Basilius-Aufführung", die Oper sei "in dieser Stadt mit dem größten Beifall" aufgenommen worden.
Vielleicht hat sich Keiser tatsächlich zwischen 1692 und 1694 schon in Braunschweig aufgehalten, um im Zusammenhang mit einer entsprechenden Anstellung die Opernpraxis hier zu stu-
dieren. Keisers Braunschweiger Opern lagen bevorzugt Stoffe aus der antiken Mythologie zu Grunde.
Eine Vorstellung von Keisers Braunschweiger Opern ist uns nicht mehr möglich, da nur noch 10 Arien und ein Duett erhalten blieben.
Das Braunschweiger und das Hamburger Opernhaus hatten zu dieser Zeit enge Verbindungen, insofern war Keisers Übersiedlung nach Hamburg 1697 nichts Außergewöhnliches. Schließlich hatte er sich mit zwei Opernwerken in Hamburg bereits vorgestellt.