Im Geburtsjahr Reinhard Keisers 1674 existierten die ernestinischen Herzogtümer Sachsen-Eisenach, -
Gotha, -Weimar, -Jena, die albertinischen Sekundo-
genituren Sachsen-Merseburg, Weißenfels, -Zeitz, die Grafschaften derer von Reuß, Schwarzburg, Hatzfeld, Hohenlohe, die Herrschaften derer von Schönburg, die Reichsstadt Mühlhausen sowie Exklaven weltlicher und geistlicher Anrainerstaaten

u.a. Keisers Geburtsstadt Teuchern gehörte zum Herzogtum Sachsen-Weißenfels.

   Weißenfels, Stadtansicht, Radierung von Peter Schenk
   (Ausschnitt Schloss)



Während Reinhard Keisers Kindheit in Teuchern (1674-1685) und seinerStudienzeit in Leipzig (1685-1692) entwickelte sich die Residenz Weißenfels zu einem musikkulturellen Zentrum.
Bevor die Hofkapelle von Halle nach Weißenfels kam (1677), bestand sie aus 16 Personen.
  • Die früheste vollständige Auflistung der Weißenfelser Hofkapelle (1726) belegt 32 Personen.
  • 1 Kapellmeister/ 6 Sänger/ 5 Instrumentalisten/ dazu noch 8 Trompeter/ 1 Pauker/ 7 Oboisten bzw. Fagottisten/ 2 Hornisten/ 1 Kapellknaben / und 1 Kalkanten.


    Das Barockschloss Neu-Augustusburg,
      Bedeutungsvoll für Weißenfels war die Hofoper, die zu-
    nächst auf einer provisorischen Bühne, später im "Ko-
    mödiensaal" des Schlosses Neu-Augustusburg in dessen Südflügel spielte. Von 1682-1736 fanden hier teilweise vier bis fünf Uraufführungen, bzw. Erstaufführungen von Opern und anderen szenischen Werken pro Jahr statt.
    Zu den Hofmusikern gehörten auch der Hofkantor und der Hoforganist. Die Stadt selbst hatte ebenfalls einen Kantor und einen Organisten. Letzteres Amt übte von 1684-1711 Christian Schieferdecker aus, der zuvor Kantor, Organist und Rektor in Teuchern war.



    Zu den besonderen Ereignissen zogen auch Spielleute, Bergsänger, Bockpfeifer der umliegenden Ge-
    biete hinzu, so dass die Musikausübung in Weißenfels sehr bunt und vielfältig war.
    Reinhard Keiser hatte sicherlich davon Kenntnis und besuchte häufig die Stadt Weißenfels. Auch die in der Nähe zu Teuchern und Weißenfels liegenden Höfe konnten Keiser musikkulturelle Anregungen geben; dazu gehörten die Hofensemble in Zeitz und in Eisenberg. Das Eisenberger Ensemble wurde von 1687-1705 von Michael Telonius aus Teuchern geleitet.
    In beiden Städten fanden auch Opernaufführungen statt. Reinhard Keiser ließ später seine Oper "Almira" in Weißenfels uraufführen. (1704)





    Die Herkunft der Familie Keiser ist nicht geklärt. Keisers Vater Gottfried hängt möglicherweise mit einer in Dornburg, Altenberg und Eisenberg festzustellenden Familie Keiser zusammen. Er könnte um 1650 geboren worden sein. Zwischen 1668 und 1669 zählte er zu den Musikern am Hof zu Reuß-Obergreiz.
        Seit 1671 war Gottfried Keiser Organist in Teuchern. In diesem Amt hatte er die Verpflichtung, Unterricht an der Schule zu ge-
    ben. Wegen geringer Entloh-
    nung und Gehaltsrückständen erteilte er offensichtlich diesen Unterricht nicht und es kam zu Differenzen mit Schulleitung und Kirche.
     




    Am 17. 9. 1673 heiratete er Agnes Dorothea - die Tochter des Junkers von Etzdorff. Zum Zeitpunkt der Heirat war Agnes Dorothea noch nicht einmal 16 Jahre alt. Vier Monate nach der Heirat wird sie von einem Sohn entbunden.
      Agnes Dorothea Keiser schenkte 2 Söhnen das Leben. Am 12.1.1674 wird Reinhard, am 10.9.1675 Gottfried Gustav in Teuchern getauft. Den Vornamen erhielt der zweite Sohn vom Taufpaten Gottfried Gustav Fischer, der Kantor im nahegelegenen Hohenmölsen war und zu dem die Familie engere Beziehungen gehabt hat. Möglicherweise erhielt Reinhard Keiser seine musikalische Ausbildung von ihm.
    Am 9.12.1732 verstarb Agnes Dorothea Keiser in Teuchern.

    Das Geburtshaus Reinhard Keisers (heute Markt 9) war eines der 22 Häuser der Stadt, die dem Domkapitel von Naumburg gehörten.



    Über den Bildungsweg des jungen Reinhard in Teuchern ist nichts bekannt. Die gesamte Erziehung lag in den Händen der Mutter, da sich der Vater seit Reinhards 2. Lebensjahr in Norddeutschland aufhielt.
    Höchstwahrscheinlich erhielt er die musikalische Bildung im Ort.
    In Teuchern gab es eine Schule, deren Rektoren ausreichende musikalische Kenntnisse hatten. Dazu gehörten Andreas Crusius (bis 1675/76), Christian Schieferdecker (1679-1684) und Johann Crusius (ab 1684). Besonders Christian Schieferdecker sen. kommt als musikalischer Wegbereiter Reinhard Keisers in Betracht. Dessen 1679 in Teuchern geborener Sohn Johann Christian wurde von Keiser später als Cembalist an die Hamburger Oper geholt, um schließlich als Organist und Nachfolger des berühmten Dietrich Buxtehude an die Lübecker Marienkirche zu gehen.



    Als Teucherner Organisten kommen für die musikalische Ausbildung Keisers Michael Telonius (1675/76), Christian Schieferdecker (1676-84) und Gottfried Weber (1684-86) in Betracht, sowie auch der Teucherner Glöckner Christoph Ziegler, der zugleich Küster und Lehrer der Elementarstufe der Schule war. Möglicher musikalischer Lehrer war auch der Eisenberger Organist Tobias Zschille.



    Nach seinem Fortgang an die Leipziger Thomasschule 1685 wird Reinhard Keiser nur noch einmal in Teuchern genannt und zwar als Taufpate 1689. Da seine Mutter jedoch bis zu ihrem Tode 1732 in Teuchern lebte, wird das nicht der einzige spätere Aufenthalt hier gewesen sein.
    Ein Kontakt zum Vater ist allerdings nicht nachzuweisen.