anz zu Unrecht gehört der Name Keiser heute zu den weniger bekannten Begriffen der
    Musikgeschichte. Zu seinen Lebzeiten war dies nicht der
    Fall: Zeitgenossen schätzten ihn als einen der wich-
    tigsten Komponisten überhaupt.
    1745 vertrat Johann Adolph Scheibe die Meinung, dass
    Keiser neben Kuhnau, Händel und Telemann zu denje-
    nigen Personen zu zählen sei, "mit welchem unser Va-
    terland den Ausländern Trutz bieten kann".
    Während der letzten 200 Jahre geriet sein Werk in
    Vergessenheit. Seit jüngster Zeit beschäftigen sich
    nicht nur Musikwissenschaftler wieder zunehmend mit
    Keiser, sondern es erklingen auch seine Opern, sowie
    seine kirchen- und kammermusikalischen Stücke immer
    öfter in Theatern und Konzerthäusern.




Thomaskirche und Thomasschule zu
Leipzig nach einem Kupferstich von
Johann Gottfried Krügner (1684-1749)
  Reinhard Keiser verbrachte seine Kindheit in Teuchern, bevor er sich 1685 an der Leipziger Thomasschule immatrikulieren ließ. Hier sorgten so namhafte Persönlichkeiten wie Johann Schelle und Johann Kuhnau für seine musikalische Ausbildung.
1694 bekam Keiser eine feste Anstellung am Braunschweiger Hof und ließ hier wie auch in Hamburg sehr erfolgreich seine ersten Opern inszenieren. Von maßgeblicher Bedeutung wurde der Lebensabschnitt von 1697-1717, Reinhard Keiser wirkte als Hauptkomponist der Ham-
burger Oper am Gänsemarkt. Er schuf in dieser überaus produktiven Zeit bis zu vier Bühnenwerke im Jahr, von denen viele auf enorme Publikumsresonanz stießen.
Die Gänsemarktoper der Freien und Hanse-
stadt Hamburg existierte als Privatunterneh-
men von 1678 bis 1738 und gehörte zu den wichtigsten Musikzentren Europas. Zahlreiche namhafte Musiker wie auch Händel und Tele-
mann wirkten an dieser Stätte. Erstmals pflegte man hier in großem Stil die deutsche Sprache als künstlerisches Ausdrucksmittel. Ein Bankrott der Hamburger Oper im Jahre 1717 veranlasste Keiser, sich anderweitig nach einer Anstellung umzusehen. Doch alle Versuche schlugen fehl. Weder an den Höfen von Gotha, Eisenach uns Stuttgart noch am Opernhaus von Kopenhagen bot man ihm ein
     sicheres Einkommen.
1723 kehrte Keiser endgültig nach Hamburg zurück. Hier wirkte indessen mit sehr großem Erfolg Georg Philipp Telemann, so dass es für Keiser schwer wurde, erneut Fuß zu fassen.
1728 berief man ihn schließlich in das Amt des Domkantors von Hamburg. Von nun an komponierte Keiser vermehrt kirchenmusikalische Werke. Er verblieb bis zu seinem Tode in seiner Wahlheimat Hamburg.
Die überragende Größe von Reinhard Keiser drückt sich zweifellos maßgeblich in seinen Opernkompositionen aus. Mit Werken wie "Masaniello furioso", "Tomyris" oder "Croesus" sicherte er sich großen Ruhm.

Der Dom zu Hamburg nach einem Kupferstich
von Peter Schenk 1700